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Bundeskanzler Gusenbauer zur Initiative "SPORT:ZUKUNFT"

Bundeskanzler und Sportminister Dr. Alfred Gusenbauer nahm am 29.10.2007 an der vom Bundeskanzleramt in Kooperation mit der BSO (Bundes-Sportorganisation) initiierten Initiative "SPORT:ZUKUNFT" im Wiener Haus des Sports teil. Zur Eröffnung dieses "Dialogs über Aufgabe und Perspektiven im österreichischen Sportsystem" äußerte er sich gemeinsam mit Sportstaatssekretär Dr. Reinhold Lopatka und BSO-Präsident Dr. Franz Löschnak zu den aktuellen Herausforderungen im Sportbereich.

 

Gusenbauer kündigte an, dass die Initiative "SPORT:ZUKUNFT" ein "interaktiver Prozess gemeinsam mit dem Sport", sein werde: "Es soll ein breites Auseinandersetzen mit den langfristigen Zielen und Aufgaben des Sports stattfinden. Am Ende dieses Dialogs soll ein neues Fundament stehen, auf das alle weitere Maßnahmen im Sport aufbauen können." Die BSO und das Bundeskanzleramt würden gemeinsam eine Arbeitsgruppe einsetzen, in der sich rund 30 Repräsentanten und Experten des Sports bis September 2008 mit allen wichtigen Zukunftsfragen themenspezifisch auseinandersetzen. Ein gemeinsames Schlussdokument soll die Ergebnisse zusammenfassen und Basis für die Budgetverhandlungen und etwaigen gesetzlichen Initiativen im Herbst 2008 sein. Der Bundeskanzler und Sportminister hob hervor, dass der Dialog in einem "partnerschaftlichen Prozess" mit dem autonomen Sport ablaufen soll.

500.000 ehrenamtliche und 550 hauptamtliche Funktionäre in Österreich

Gründe für dieses Initiative gäbe es viele: Gusenbauer nannte als besondere Herauforderungen den Kampf gegen das Doping, den steigenden Anteil an übergewichtigen Menschen in der Bevölkerung, die Abnahme der motorischen Leistungsfähigkeit bei Kindern und Jugendlichen, die "Nachwuchsprobleme" in einzelnen Sportarten oder den Rückgang an Weltranglistenplatzierungen bei Mannschaftssportarten. Es fehle auch ein umfassendes Ausbildungs- und Karrierekonzept im Österreichischen Sport. "Gleichzeitig gibt es auch eine Reihe positiver Punkte zu vermerken, wie die 30 Medaillen bei den letzten Olympischen Spielen in Turin und Athen, eine steigende Zahl von Studienabschlüssen in den Sportwissenschaften und das unglaubliche Potential, das die 500.000 ehrenamtlichen und 550 hauptamtlichen Funktionäre darstellen". Der Bundeskanzler zeigte sich auch zufrieden mit der "zielgenauen Förderung" im Rahmen von TOP Sport Austria, Sporthilfe und ÖOC sowie der "Rekordfördersumme" von über 100 Mio. Euro in der Bundes-Sportförderung 2007.

Ziel ist ein flächendeckendes Bewegungsangebot

"Wir haben eine gute Basis, doch wir haben auch noch viel zu tun. Mehr Geld im Sport muss mittelfristig auch mehr Erfolg im Breiten- und Spitzensport bringen", so der Bundeskanzler. Unter den wesentlichen Zielen für die Zukunft nannte er ein flächendeckendes Bewegungsangebot in allen Ausbildungsstufen, eine verbesserte Strukturierung des Spitzensports, Vereinfachungen in der Verwaltung und Abrechnung, eine dauerhafte Integration von Behindertensport und Genderfragen in alle Ebenen des Sports und klare und transparente Förderstrukturen. Wichtig seien außerdem eine Vernetzung aller Player im Sport und die Förderung des Nachwuchses als zentrale Basis.

Gusenbauer sprach sich abschließend für eine mittelfristige Anhebung der Sportförderung auf Basis von Erfolgen in den Bereichen Integration und Gesundheit aus. Gemeinsam mit dem organisierten Sport gehe es darum, "ein modernes, leistungsfähiges und zukunftsorientiertes System zu etablieren".

Die Rede des Bundeskanzlers im Detail

Sehr geehrte Damen & Herren, liebe Freunde des Sports!
Es ist jetzt genau ein halbes Jahr vergangen, seitdem ich in diesem Haus im April meinen ersten "offiziellen" Auftritt als Sportminister vor der Österreichischen Sportcommunity hatte. Am 20. April dieses Jahres skizzierte ich Ihnen die grundsätzlichen Vorstellungen und Zielsetzungen dieser Österreichischen Bundesregierung zum Thema Sport.

Seit dieser Zeit haben wir schon einiges bewegt:

  • wir haben den Kampf gegen Doping umfassend aufgenommen und unmittelbare Maßnahmen (eigenes Anti Doping Gesetz,  Schaffung der NADA etc.) gesetzt
  • wir haben den Fördertopf der Innovativen Fördermaßnahmen verdoppelt, und somit die Basis für neue Bewegungsinitiativen im Kindergarten und Volksschulbereich geschaffen, die ab den Schuljahr 08/09 greifen werden (ARGE erarbeitet gerade das Umsetzungspapier; Feber werden Ergebnisse präsentiert)
  • wir haben gemeinsam mit allen Gebietskörperschaften die Euro2008 auf den Weg gebracht - erst letzte Woche haben wir ein umfassendes, gemeinsames Projektpaket mit "Österreich am Ball" verabschiedet: 222 Tage vor der Eröffnung können wir klar sagen: wir alle haben noch zwar noch viel zu tun, aber wir sind auf einem guten Weg

Vor 6 Monaten habe ich Ihnen eine symbolische Frage gestellt: Haben Sie heute schon Bewegung gemacht? Ich wiederholte diese Frage bei jeder Gelegenheit und stelle fest: sie ist aktueller denn je!

Wir müssen Bewegung machen, für Bewegung werben, wir alle müssen selbst aktiv werden, um den Sport, die Bewegung, die Freude an der Sportausübung in unsere Gesellschaft zu tragen. Denn nur so können wir deren Bedeutung für die Gesellschaft in die Köpfe der Menschen tragen.

Genau aus diesem Grund habe ich, damals am 20. April angekündigt, eine Initiative zu starten, um Vorschläge zur Vereinfachung und Neustrukturierung des Österreichischen Förderwesens zu erarbeiten.

Als zuständiger Minister und in der Verantwortung gegenüber den Menschen und ihrer Gesundheit in diesem Land stehe ich zu dem, was ich damals versprochen habe. Es liegt in der Kompetenz des Sportministers, eine derartige Initiative zu setzen, um den Sport langfristig auf die Siegerstrasse zu bringen.
Initiieren, Koordinieren und Umsetzen: ein Prozess, den ich mir als Bundeskanzler auch in allen anderen Politikbereichen wünsche und mir erwarte. Gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft zu finden, dass sollten wir uns alle hinter die Ohren schreiben - nicht immer nur erklären, warum etwas nicht gehen kann.

Diese heutige Veranstaltung ist der offizielle Auftakt der Initiative SPORT:ZUKUNFT. Dies ist ein interaktiver Prozess gemeinsam mit dem Sport - ein Dialog, ein Diskurs - ein breites gemeinsames Auseinandersetzen mit den langfristigen Zielen und Aufgaben des Sports, an dessen Ende im September 2008 - kurz vor den Tag des Sports 2008 - ein neues, gemeinsames Fundament geschaffen wird, auf das alle weitere Maßnahmen im Sport aufbauen sollen.
Gleichzeitig kann dieser Prozess auch dazu führen, dass wir Aufgaben, die wir schon lange erledigen wollten (Bsp.: Gesetz für den Sport als Beruf; Sozialversicherungsfragen), Lösungsansätze erfahren.

Wir hätten es uns leicht machen können: das Sportministerium setzt eine Arbeitsgruppe ein und diese liefert ein Ergebnis ab, dass dann als Ministerratsvorlage verabschiedet wird. Das ist nicht unser Weg, unser Stil - liebe Freunde des Sports: wir wollen auch im Sport den "sozialpartschnerschaftlichen" Weg gehen: denn gemeinsames Nachdenken & gemeinsamer Diskurs bringt bessere Ergebnisse, als "Drüberfahren"!

Gemeinsam mit der BSO  und dem BKA wird eine Arbeitsgruppe von rund 30 Repräsentanten & Fachleuten des Sports eingesetzt, die die verschiedenen Themen - von A wie Abrechnungswesen bis Z wie Spitzensport-Zentren (!) in Untergruppen aufarbeitet und danach in ein gemeinsames Schlussdokument "SPORT:ZUKUNFT 2020" zusammenfasst. Dieses wird dann für uns der Arbeitsauftrag, auf dessen Basis wir im Herbst 2008 die Budgetverhandlungen führen, Organisationsstrukturen ändern bzw. wenn nötig, auch Gesetzesnovellen in Auftrag geben.

Um eines auch klar zu stellen: dieser partnerschaftliche Prozess zeigt auch unsere Wertschätzung gegenüber dem autonomen Sports - das soll auch in Zukunft so bleiben.

Aus meiner Sicht gibt es mehrere Gründe für diese Initiative:

  • Wiederholte Probleme mit Doping im Sport in Österreich
  • Nur 23,3 % der Menschen bewegen sich mind. 3x pro Woche (Gesundheitsbefragung 2006/07)
  • Kontinuierliche Reduktion der Turnstunden bzw. der Bewegungszeiten in den Schulen in den letzten 20 Jahren
  • Die motorische Leistungsfähigkeiten (Laufen, Springen, Werfen) von Buben und Mädchen sank in den letzten 25 Jahren um rund 15%
  • 50% unserer Heranwachsenden haben kumuliert weniger als 1 Stunde Bewegung pro Tag
  • Fernsehkonsum pro Tag bei Kindern beträgt rund 100 Minuten pro Tag (3-18 jährige; Brettschneider & Naul 2004)
  • In Europa stieg der Hang zum Übergewicht innerhalb von 7 Jahren (1995 - 2002) um rund 40%
  • In Österreich leiden derzeit rund 28% der Kinder unter Adipositas und Übergewicht (2004)
  • Manche Sportarten leiden unter "Nachwuchsproblemen"
  • Kontinuierlicher Rückgang in den Weltranglistenplazierungen bei Mannschaftssportarten
  • Kontinuität im Leistungsniveau ist nicht in allen Spitzensportarten gegeben
  • Verschwinden mancher, traditioneller Sportarten aus der Sportberichterstattung
  • Kein umfassendes Ausbildungs- und Karrierekonzept im Österreichischen Sport vorhanden
  • Hohe Unterschiede in der Nutzbarkeit und Ausstattung der Sportinfrastruktur
  • Rückgang der bewegungsorientierten Wochen in den Schulen (Skikurse, Sportwochen)

Diese Aufzählung ist keine offensive Kritik am derzeitigen System, sondern einfach der Versuch einer Statuserhebung. ABER es gibt auch die positiven Seiten, die wir nicht vergessen dürfen:

  • 30 Medaillen bei den letzten beiden Olympischen Spielen in Turin und Athen
  • Dominante Rolle bei einigen Sportarten
  • Steigende Studienabschlüsse im Bereich der Sportwissenschaften von 201 im Jahr 2000 auf 344 im Jahr 2006
  • Zielgenauere Förderung von Spitzensportprojekten bzw. Personen im Rahmen TOP Sport Austria, Sporthilfe, ÖOC
  • Rekordfördersumme von über € 100 Mio. in der Bundesssportförderung 2007
  • Boom von Gesundheits- und Sportangeboten in den Bereichen Laufen & Bewegung (Fit für Österreich) & Firmengesundheitsvorsorge
  • 500.000 Ehrenamtliche Funktionäre & 550 Hauptamtliche Funktionäre - ein unglaubliches Potential an Human Resources (42.000 Vollzeitbeschäftigte oder 1,4 Mio. Wochenarbeitszeitstunden): an dieser Stelle ein herzliches DANKESCHÖN!
  • 355.000 Beschäftigte im Bereich der Sportwirtschaft
  • Rund 3 Mio. Mitglieder in den 3 Dachverbänden
  • Mit der Fussball Euro & der Handball Euro werden in den nächsten Jahren 2 Events der TOP Kategorie im Sport in Österreich stattfinden

Wenn wir diese beiden Seiten der Medaille "Sport" miteinander in Relation setzen, dann komme ich zu einem Schluss:
Wir haben eine Basis, doch wir haben viel zu tun!

Als Sportminister der Republik setze ich mir folgende Ziele, die auch vom Evaluierungsbericht 2007 der Sektion Sport unterstützt werden:

  • Mehr Geld im Sport muss mittelfristig auch mehr Erfolg (Anzahl der Menschen in Bewegung auf Breitensporteben und mehr Medaillen im Spitzensport) bringen
  • Erhöhung der mittelfristigen Aktivitätsrate der Bevölkerung auf rund 50%
  • Flächendeckendes Bewegungsangebot in allen Ausbildungsstufen (Kindergarten bis Universität)
  • Vollständige Integration von ehemaligen Spitzensportler in die Verbandsarbeit (Know How Transfer)
  • Verbesserte Strukturierung des Spitzensports, um Weltklasseleistungen in allen anerkannten Sportarten dauerhaft zu ermöglichen (siehe skandinavische Länder)
  • Vereinfachung in der Verwaltung & Abrechnung
  • Dauerhafte Integration von Behindertensport und Genderfragen in alle Ebenen des Sports
  • Breitensport hat sich folgenden Herausforderung aktiv zu stellen: Gesundheitsvorsorge, Genderfragen, Integration, Freizeitverhalten, Soziale Integration - Vernetzung ist dabei das Schlagwort der Stunde
  • Steigerung des Know Hows im Bereich der Ehrenamtlichkeit, um die Arbeit an den Wurzeln des Sports zu verbessern
  • Flächendeckende Sportinfrastruktur, die die Bedürfnisse von Spitzensport, Tourismus, Freizeitsport & Gesundheitsprävention vereinen
  • Klare & transparente Förderstrukturen & Fördervergabe nach rein fachlichen Kriterien - Vernetzung der Förderbereiche
  • Vernetzung aller für den Sport relevanter Player (Universitäten, Sportverbände, Sportwissenschaft, Ausbildungsinstitutionen, F & E)
  • Förderung des Nachwuchses als zentrale Basis; denn in der Kindheit erfolgt die Prägung in allen Bereichen - Investitionen in diesem Alter sind die beste Gesundheitsvorsorge
  • Mittelfristige Anhebung der Sportförderung auf Basis der bewiesenen Leistungen des Sports in den Bereichen Integration und Gesundheitsprävention: mein Ziel ist 2009 eine Anhebung der Untergrenze und ab 2010/2011 auch mehr Geld für den Sport insgesamt (wenn es uns allen gelingt, den Beweis zu liefern in den Bereichen Gesundheit, Integration etc.)
  • Mehr Empirische Daten über den Sport bringen Lösungs Know How

Zusammenfassend gilt folgendes: Österreich muss ...

  • als Land der Spitzensportveranstaltungen
  • als Land der Internationalen Sportorganisationen
  • als Land der Internationalen Sportfunktionäre
  • als Land der Bewegungshungrigen
  • als Land der Gesundheit
  • als Land der Medaillen & Leistungsbereitschaft
  • als Land der sozialen Ausgewogenheit
  • als Freizeit und Tourismusland gelten… das ist mein Ziel: dafür gibt es für mich nur einen Partner: den organisierten Sport!

Daher freue ich mich, dass wir jetzt dieses gemeinsame Projekt "SPORT:ZUKUNFT 2020"starten und das Ziel verfolgen, gemeinsam ein modernes, leistungsfähiges und den Herausforderungen der Zukunft adäquates System zu etablieren. Leistungsstark, verwaltungsarm und Transparent - den Herausforderungen der Zukunft im Sport gewachsen!

In diesem Sinn: gehen wir an die Arbeit mit dem Ziel im September 2008 die SPORT:ZUKUNFT präsentieren zu können

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